Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

09. Mai 2008

Lang lebe der Singular

Ursprünglich war dieses Phänomen in Übersetzungen aus dem Englischen zu beobachten, doch auch die Wichtigsprech bedient sich seiner gerne. Die Rede ist von der unmäßigen und unsinnigen Verwendung des Plurals.

Im Englischen zerbrechen sich viele Menschen viele Köpfe, im Deutschen nur einen, denn jeder hat nur einen. Wir wecken nicht jemandes Interessen, sondern sein Interesse. Wir brechen uns nicht die Hälse, sondern den Hals. Der Sturm erreicht nicht Spitzengeschwindigkeiten, sondern eine Spitzengeschwindigkeit, denn nur eine kann die größte sein. Ein Laufwerk hat nicht Lese- und Schreibgeschwindigkeiten, sondern eine Lese- und eine Schreibgeschwindigkeit. Jedes Unternehmen hat nur einen Gewinn, einen Umsatz, einen Datenbestand. Jeder »Behälter«, sei er Buch, Topf oder Website, hat nur einen Inhalt. Jede Gleichung, Suche und Prüfung hat ein einziges Ergebnis. Jedes Besatzungsmitglied hat nur ein Quartier.

Nebenbei gesagt, stehen Substantive auch im deutschen Stichwortverzeichnis grundsätzlich im Singular.

09.05.2008, 14.39 Uhr    2 Kommentare
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Sprache
Schlagwörter: ,

25. April 2008

Grammatik: Präpositionen

ab, abseits, abzüglich, ad, an, angesichts, anhand, anläßlich, anstelle, auf, aufgrund, auftrags, aus, ausschließlich, außer, außerhalb, bar, behufs, bei, betreffs, bezüglich, binnen, bis, contra, diesseits, dank, durch, einschließlich, entgegen, entlang, entsprechend, fern, für, gegen, gegenüber, gemäß, gleich, halber, her, hin, hinter, in, infolge, inmitten, innerhalb, je, jenseits, kraft, längs, laut, mangels, mit, mitsamt, mittels, nach, nächst, nahe, neben, ob, oberhalb, ohne, quer, rings, samt, seit, seitens, seitlich, sonder, statt, trotz, über, um, um willen, unbeschadet, unfern, ungeachtet, unter, unterhalb, unweit, vermittels, vermöge, voll, von, vor, während, weg, wegen, wider, zeit, zu, zufolge, zugunsten, zuliebe, zunächst, zuwider, zuzüglich, zwecks, zweifels, zwischen …

Liebe Neudeutsche, zu ist nicht die einzige Präposition.

25.04.2008, 09.06 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Allgemein
Schlagwörter: ,

Externer Link: Aktionsbündnis für faire Verlage

Autorenverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich am Welttag des Buches, am 23. April 2008, zu einer gemeinsamen Initiative für mehr Fairness im Verlagsbetrieb zusammengeschlossen und das »Aktionsbündnis für faire Verlage (Fairlag)« ins Leben gerufen. Gemeinsam machen sie damit unmissverständlich auf Missstände im Verlagswesen aufmerksam, die einseitig zu Lasten junger Autoren gehen.

So ist es auf der neuen Website des Aktionsbündnisses für faire Verlage zu lesen. Darum geht es:

Mit großer Besorgnis über die unlauteren Praktiken von Verlagen, deren Verlagstätigkeit auf der Finanzierung ihrer Verlagsprodukte durch die von ihnen verlegten Autorinnen und Autoren beruht, und über die damit einhergehenden Auswirkungen weit über deren eigenes unmittelbares Tätigkeitsfeld hinaus wenden sich die unterzeichnenden Autorenverbände und literarischen Einrichtungen mit dieser gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit.

Neben der Fairlag-Erklärung enthält die Website viele nützliche Hintergrundinformationen.

Bereits vor der Veröffentlichung der Erklärung reagierte die Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe mit Einschüchterungsmaßnahmen und drohte den Initiatoren und Unterzeichnern der Fairlag-Erklärung mit Prozessen (siehe Presseerklärung von ver.di). Ja, so geht das neue Deutschland der Aktionäre und sonstigen Proleten mit seinen Dichtern und Denkern um.

25.04.2008, 08.42 Uhr    2 Kommentare
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Aus dem Buchregal, Allgemein
Schlagwörter:

Neudeutsche haben ein eigenartiges Verhältnis zum Komma. Dort, wo es für das Satzverständnis unbedingt benötigt wird, zum Beispiel vor und nach Relativsätzen, lassen sie es fast schon grundsätzlich weg, während sie es gleichzeitig an allen möglichen Stellen einfügen, an denen es das Satzverständnis erschwert. Da ihnen nicht bewußt ist, daß das Komma Satzteile voneinander trennt, halten sie zum Beispiel das Komma und die Konjunktion und für ein unzertrennliches Paar.

Im Deutschen kann man zwei eigenständige Sätze mit und zu einem Satz zusammenfassen. Wenn jeder dieser Teilsätze ein anderes Subjekt hat oder einer von ihnen sehr komplex sind, wird vor das und ein Komma gesetzt, das den Leser darauf hinweist, daß nach dem Komma eine neue Sinneinheit beginnt. In allen anderen Fällen hat das Komma vor dem und nichts zu suchen. Es ist nicht nur überflüssig, sondern irreführend.

  • Besuchen Sie unsere Website und laden Sie die Datei herunter. In diesem Satz wäre ein Komma ein Fehler, da er nicht aus zwei Sinneinheiten besteht, sondern einem einzigen Subjekt eine einzige Handlungsanweisung erteilt.
  • Sie besuchen unsere Website, füllen den Antrag aus und schicken ihn ab, und wir bearbeiten ihn umgehend. Hier haben wir es mit zwei Sinneinheiten mit jeweils eigenem Subjekt zu tun, wobei die erste Einheit an sich bereits eine Aneinanderreihung enthält. In diesem Fall muß vor das und, das den zweiten Teilsatz einleitet, ein Komma gesetzt werden, damit der Leser den Anfang der neuen Sinneinheit erkennt.

25.04.2008, 08.05 Uhr    2 Kommentare
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Sprache
Schlagwörter: ,

Staatlich verordnete Falschschreibung, Anglizismensucht und sprachliches Unvermögen haben gemeinsam viel Unkraut gezüchtet, bei dem einigermaßen gebildeten Menschen vor Entsetzen die Haare zu Berge stehen. Das Sprachwissen vieler ProletendeutschNeudeutsch schreibender Zeitgenossen ist so gering, daß sie nicht einmal den Unterschied zwischen einem Adjektiv und dem Bestandteil eines Kompositums kennen. So liest man heute allzu oft von »original Zubehör«, »riesen Aufgaben« oder »mega Angeboten«. Wenn Ihnen nicht klar ist, was daran falsch ist, sei Ihnen der Besuch eines Deutschkurses für Anfänger ans Herz gelegt.

25.04.2008, 07.38 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Sprache
Schlagwörter: ,

11. April 2008

Mit Verstand übersetzen

Wenn mich an Übersetzungen eines noch mehr stört als Deutschfehler, dann sind dies ohne Mitdenken geschriebene Übersetzungen. Wörter und Sätze also, bei denen der Übersetzer offenkundig nicht überlegt hat, ob das, was er schreibt, richtig ist.

Ein Beispiel, bei dem mir dieses Nichtmitdenken in letzter Zeit besonders häufig auffällt, ist das englische »cash«, das automatisch als »in bar« übersetzt wird. Selbstverständlich kann diese Übersetzung richtig sein, »Bargeld« ist aber keineswegs die einzige mögliche Bedeutung von »cash«. In Werbeaktionen etwa ist meist keineswegs Bargeld gemeint, sondern die Auszahlung eines Betrages in voller Höhe. »Cash« bezieht sich in diesem Fall also nicht auf die Zahlungsart, sondern bedeutet den Verzicht auf eine Verrechnung mit anderen Zahlungsvorgängen. Selbst wenn nicht eindeutig auf eine bestimmte Zahlungart (Überweisung, Scheck usw.) hingewiesen wird, sollte doch jedem klar sein, daß sich der Veranstalter einer Werbeaktion nicht auf den Weg zum Gewinner machen wird, um ihm seine Prämie in Scheinen und Münzen persönlich auszuhändigen.

Natürlich macht jeder ab und zu Flüchtigkeitsfehler, die man niemandem ankreiden kann, da wir alle nur Menschen sind. Aber mir drängt sich doch der Eindruck auf, daß immer häufiger ohne Überlegen zu »Standardübersetzungen« gegriffen wird.

11.04.2008, 10.55 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Übersetzen
Schlagwörter:

Zum Wochenausklang möchte ich eine Theorie in den Raum stellen.

Der Ausgangspunkt: Wenn ich englischsprachige Kunden um die Präzisierung der Bedeutung eines Wortes bitte, stoße ich häufig auf Unverständnis: Was denn an dem Wort unklar sei, wird zurückgefragt. Ich antworte, daß (zum Beispiel) die Bedeutung und Übersetzung von materials vollständig vom Zusammenhang abhänge, ebensogut (Roh-) Stoffe wie (Marketing-) Unterlagen, Stück (-liste) wie (Über-) Bestand bedeuten könne. Mit derselben Hilflosigkeit reagieren viele in Anglizismen und sonstigem Denglisch schwelgende Zeitgenossen, wenn sie um eine inhaltlich präzise Aussage gebeten werden.

Davon ausgehend meine These: Deutsch ist eine äußerst ökonomische Sprache, die mit einem vergleichsweise kleinen Wortschatz auskommt – das Englische hat dreimal soviele Wörter. Diese Ökonomie erfordert zum einen einen zielgenauen Einsatz der Grammatik und stellt zum anderen dem uneindeutigen Wortgebrauch recht hohe Hürden in den Weg. Äußert sich in der Neigung zu Anglizismen also möglicherweise der Wunsch, der Präzision zu entgehen? Ist das schwammige Nichtssagen, als das sich das Denglische in aller Regel präsentiert, nicht Nebenwirkung, sondern vielmehr der eigentliche Zweck dieser Sprache?

28.03.2008, 12.49 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Sprache
Schlagwörter: ,

28. März 2008

Politikerdeutsch

Gelesen in der FAZ:

Aber was sagt Kurt Beck? Politik ist „manchmal ein schwieriges Geschäft“, erst recht, wenn man „mit zuenem Hals“ krank daniederliegt und sich erst zurückmelden kann, wenn schon alles von allen gesagt ist.

Kein Kommentar.

28.03.2008, 11.57 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Sprache
Schlagwörter:

Noch ein letztes Fundstück aus der morgendlichen Querleserunde:

If you don‘t see your native language here, you can help Google create it by becoming a volunteer translator.

Muß man wirklich daran erinnern, daß Google ein milliardenschwerer Konzern ist? Google versucht hier das, was amazon (mit den kostenlosen Produktbesprechungen kräftig zahlender Kunden) und Konsorten schon seit längerer Zeit erfolgreich betreiben: Sie lassen sich von Freiwilligen wertvollen redaktionellen Inhalt schreiben, für den sie normalerweise teuer bezahlen müßten. Wie irgendjemand auf diese Masche hereinfallen kann, ist mir schleierhaft. Aber es gibt offenbar viele, die sich nur zu gerne für dumm verkaufen und für die Gewinnmaximierung einiger weniger ausnutzen lassen und sich dabei sogar noch einbilden, einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Einen wichtigen Beitrag leisten sie tatsächlich, aber nicht zu irgendeiner Gemeinschaft, sondern einzig und allein zum Gewinn der Unternehmen.

28.03.2008, 08.08 Uhr    8 Kommentare
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Die Welt
Schlagwörter:

28. März 2008

Die Türkei und der Humor

Perihan Ügeöz schreibt in der Instanbul Post über den Humor, die Tragik, in einem Land zu leben, das Humor nötig hat, und die Humoristen in der Türkei.

(Wer übrigens glaubt, in Deutschland gebe es keine Zensur und keine Verfahren gegen Satiriker, sollte schleunigst vom Traumland in die Realität wechseln.)

28.03.2008, 07.52 Uhr    Kein Kommentar
Statischer Link    Feed-Link    Trackback-Link
Rubriken: Die Welt
Schlagwörter:

Gebunden mit Wordpress