
Anregungen, Auslegungen, Abwägungen über das Übersetzen, die Sprache und den ganzen Rest von Gabriele Zöttl, Übersetzerin, Lektorin, Literaturwissenschaftlerin, Filmfan und noch so dies und das mit einer Schwäche für die Donquixoterie.
Überraschung! (Quelle: eigenes Bild)
Südkarelien (heutiges finnisch-russisches Grenzgebiet), 1942. In einem Dorf, in dem der Krieg nur die Frauen zurückgelassen hat, ist eine Flakgarnison stationiert. Ein Kommandeur auf Kontrollbesuch ist nicht angetan von den Soldaten, die Kühe melken, Wodka trinken und sich von den Frauen verwöhnen lassen. Der Garnisonsleiter, Starschina1 Vaskov, macht die Frauen dafür verantwortlich, daß sich die Soldaten nicht an die Dienstordnung halten, und verlangt vom Kommandeur Milchbärte, die »gegen die Weiber immun« sind. Der Kommandeur verspricht sie ihm. Stellen Sie sich Vaskovs Begeisterung vor, als drei Tage später junge weibliche Soldaten in Reih und Glied vor ihm stehen!
Genosse Starschina (Quelle: eigenes Bild)
Mit der hochheiligen Dienstvorschrift hat Vaskov bei den Frauen allerdings noch weniger Glück als bei den Männern: Tagsüber verhalten Sie sich wie die Dörflerinnen – gehen spazieren und baden, waschen Wäsche und melken die Kühe – und abends tanzen sie, wie sie es als Städterinnen gewohnt sind. Junge Mädchen, die wesentlich mehr Bildung abbekommen haben als er und mit flinken Worten jeden Hinweis auf die Dienstordnung abschmettern – mit diesen Soldaten kann Vaskov nichts anfangen. Sein Unbehagen schwindet auch nicht, als sie ihm schon bald beweisen, daß sie nicht nur Blumen pflücken und herumalbern, sondern auch feindliche Flugzeuge abschießen können.
Rita (Quelle: eigenes Bild)
Das fast wie im Frieden anmutende Dorfleben endet allerdings, als eine der Soldatinnen bei einem heimlichen nächtlichen Ausflug zwei Deutsche im Wald sieht. Mit fünf Soldatinnen macht sich Vaskov auf die Jagd. Er vermutet, daß die Deutschen die Bahnlinie sprengen möchten, wofür sie erst einen See umgehen müssen. Als Ortskundiger kann er jedoch eine Abkürzung durch den Sumpf nehmen und den anderen den Weg abschneiden. Gesagt, getan. Doch als das Grüppchen den Feind endlich vor sich hat, sind aus den zwei sechzehn Mann geworden.
Ženja (Quelle: eigenes Bild)
Die kriegerischen Einzelheiten will ich Ihnen und mir ersparen. Zwischen Wald, See und Sumpf beginnt ein schmutziges Katz- und Mausspiel, das nichts mehr mit dem sauberen Abschießen von Flugzeugen aus der Ferne zu tun hat. Und am Ende sind die fünf Mädchen tot. Nur der Starschina überlebt.
Liza (Quelle: eigenes Bild)
Er, der Starschina, ist die zentrale Figur des Films. Ein Bauer, der nur vier Schulklassen absolviert hat und dessen Frau mit einem anderen durchgebrannt war, während er an der Front lag. Er findet immer etwas zu tun, packt überall mit an, möchte, daß alles ordentlich geregelt ist und sich alle »akkurat« (sein Lieblingswort) an diese Ordnung halten. Seine einzige Tonart scheint das barsche Kommandieren und Befehlen zu sein. Der Krieg ist für ihn selbstverständlich eine reine Männersache, die die Frauen nicht betrifft. Die Frauen würde er am liebsten samt und sonders deportieren, damit sie die Männer nicht stören.
Rita träumt. (Quelle: eigenes Bild)
Einen ersten Knacks verpaßt dieser rauhen Schale seine Zimmerwirtin, die ihm unbeholfen klarmacht, daß die Frauen im Dorf in Gedanken mit ihren an die Front geschickten Männern leiden und sich nach ein wenig zwischenmenschlicher Wärme sehnen. Nach und nach kommt in ungeschickten Äußerungen zum Vorschein, daß sich Vaskov als Mann für die Frauen verantwortlich fühlt: »Ja, Brüste wie Wagenräder. Aber was, wenn sie im Granatsplitterhagel stehen und diese Brüste zerfetzt werden?«
Sonja (Quelle: eigenes Bild)
Im Lauf des zweiten Teils blättert die Schale immer mehr ab. Vaskov versteht die Angst der Mädchen und bewundert ihren Mut und ihre Findigkeit. Vom Starschina wird er zu Fedja, der seine »Schwesterchen« behüten möchte und sie doch ins Gefecht schickt, weil hinter ihnen die Heimat liegt, die geschützt werden muß. Doch wie soll er ihren Müttern und ungeborenen Kindern erklären, daß er seine Soldatinnen nicht vor dem Tod bewahren konnte? Diese jungen Mädchen, deren Geschichte wir in farbenfrohen Rückblicken nach und nach erfahren …
Galja träumt. (Quelle: eigenes Bild)
Liza, die im Forsthaus aufgewachsen ist, vom großen Glück in Gestalt eines Mannes träumt, sich in den Starschina verliebt und im Sumpf versinkt, als sie Verstärkung holen möchte.
Sonja, die kultivierte jüdische Studentin, die in Moskau erfährt, daß ihre Heimatstadt von den Faschisten besetzt wurde, erstochen wird und ihre Kameradinnen mit ihrem letzten Schrei warnt.
Galja, das Findelkind, das einen Aschenbrödeltraum träumt, weil sein eigenes Leben nichts zum Träumen hergibt, ein falsches Alter angibt, damit es mit kaum 17 an die Front darf, und stirbt, weil es vor Angst nicht schießen kann.
Ženja, die elegante Dame, die mitansehen muß, wie ihre gesamte Familie erschossen wird, sich in die Liebe zu einem Offizier flüchtet, strafversetzt wird und bis zum letzten Atemzug mit Worten und Waffen kämpft.
Rita, deren Mann in den ersten Kriegstagen fällt, die sich nach Karelien versetzen läßt, um ihrem Sohn nahe zu sein, mit kaltem Haß kämpft und sich, schwer verwundet, selbst erschießt.
Das Schlimmste am Krieg ist, erkennt Vaskov, daß das Fädchen abgerissen wird.
Galja (Quelle: eigenes Bild)
1 Starschina: Kommandant einer kleineren militärischen Einheit, wobei nicht die Art der Einheit (in diesem Fall eine ganze Flakgarnison), sondern ihre Größe (in der Garnison sind nur zwei Züge stationiert) zählt. Der Titel ist vom Komparativ staršij/старший (alt) abgeleitet, der ähnlich wie das englische senior sowohl ein höheres Alter als auch einen höheren Rang bezeichnen kann. Aufgrund dieser Doppeldeutigkeit wird der Starschina immer als »Alterchen« wahrgenommen, was hier das Gefälle zwischen den Generationen unterstreicht.
Vaskov träumt. (Quelle: eigenes Bild)
Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.
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