22. 04. 2007

Wortgeschichten: Semmel

Wer die Semmel für süddeutsches Urgebäck hält, hat recht und auch wieder nicht. Denn auch Semmel ist ein Wort, das eine weite Reise hinter sich hat. Seinen Anfang nahm es im Assyrischen, in dem samidu feines Mehl bezeichnete. Die Griechen übernahmen das Wort und verfeinerten seine Bedeutung: Semidalis nannten sie speziell feines Weizenmehl. Die Römer schauten den Griechen nicht nur die Götter ab, sondern auch so manches Wort. Feinstes Weizenmehl hieß bei ihnen fürderhin simila. Später dehnten sie den Begriff zum Teil auch auf das aus diesem Mehl gebackene weiße Weizenbrot aus.

Nun ist Ihnen auch schon klar, wieso es die Semmel ebenso wie das Perfekt nur in Süddeutschland gibt, nicht wahr? Genauer gesagt, kennt man das Wort in den einst unter römischer Herrschaft stehenden Gebieten. Unsere Althochdeutsch sprechenden Vorfahren verwendeten für feines weißes Mehl die beiden Wortformen simila und semela. Im Mittelhochdeutschen verschob sich die Bedeutung nach und nach vom Rohstoff zum Endprodukt, dem aus feinem Mehl gebackenen Brot, wozu übrigens auch die Hostien gehörten. Gleichzeitig wandelte sich die romanische Endung -a zur germanischen weiblichen Endung -e und wurde schließlich ganz fallengelassen. Im Neuhochdeutschen fand die übliche Konsonantenverdoppelung von der Semel zur Semmel statt und die Bedeutung wurde weiter differenziert, bis als Semmel nur noch eine ganz bestimmte Brotart bezeichnet wurde: das kleine, runde, aus feinem Weizenmehl gebackene Brötchen.

 
 
 
 

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