10. 10. 2007

Vorwort: Was soll das werden?

In nächster Zeit werde ich hier einen kleinen Streifzug durch die russische Filmgeschichte machen. Da es für ein deutsches Publikum nicht unbedingt leicht ist, sich selbst ein Bild von der russischen Filmwelt zu machen, möchte ich keine ausführlichen Besprechungen der Filme schreiben, die man als Filmliebhaber gesehen haben muß, sondern kurze Beschreibungen von Filmen, die tatsächlich gesehen wurden und werden. Weil es mir also mehr um die Breite als um die Tiefe geht, berücksichtige ich bei der Auswahl der Filme vier Aspekte:

  • Filme, die jeder Russe kennt
  • Querschnitt durch alle Genres
  • Querschnitt durch hundert Jahre Filmgeschichte
  • Meilensteine und Meisterwerke

Ich glaube, daß aus der Kombination dieser Aspekte sowohl die Gemeinsamkeiten der russischen mit der westeuropäischen Filmwelt als auch ihre Besonderheiten wesentlich deutlicher hervorgehen werden als aus einer Konzentration auf wenige und ohnehin bereits vielfach besprochene Meisterwerke.

Wenn ich sage »Filme, die jeder Russe kennt«, meine ich das sehr wörtlich. Es gibt eine relativ große Zahl von Filmen, die quer durch die Generationen, sozialen und Bildungsschichten tatsächlich alle Russen kennen. Über die Hauptpersonen dieser Filme wurden Witze gemacht, die sich oft über Jahrzehnte hielten; ihre Lieder gehören beinahe zum Volksliedgut; die Filme werden in der Literatur zitiert, aus ihnen sind geflügelte Worte hervorgegangen und so weiter. Das zeigt vielleicht bereits, daß das russische Publikum zum Film (ähnlich wie zur Literatur) traditionell eine wesentlich persönlichere Beziehung hat als die meisten Westeuropäer. Im Zuge der Wallstreetisierung Rußlands ist dieser Faden zwar etwas dünn geworden, da auch die russischen Filmemacher meinten, Hollywood nachahmen zu müssen – häufig mit schauderhaftem Ergebnis. Anfangs war die glamouröse Scheinwelt des Hollywood-Films eine Sensation, die eine durchaus nicht unwillkommene Abwechslung darstellte. Nachdem die erste Begeisterung abgeebbt war und die eigene Filmproduktion nicht viel sehenswertes zu bieten hatte, wandten sich viele Filminteressierte dem europäischen Film zu; so mancher italienische, französische und deutsche Film ist dort vielleicht sogar bekannter als hier. Inzwischen findet der russische Film jedoch wieder zu seiner eigenen Sprache zurück. In den letzten Jahren wurden nicht nur einige exzellente Filme gedreht, sondern auch einige, die größere Besucherscharen in die Kinos lockten als amerikanische Produktionen.

Im Mittelpunkt sollen tatsächlich die Filme selbst stehen. Um sie jedoch nicht ganz ohne Kontext zu lassen, werde ich sie um einige Hintergrundtexte ergänzen. Allerdings werde ich Theorie und Praxis trennen, so daß niemand lesen muß, was er nicht lesen möchte.

Anregungen, Wünsche und Kritik sind ausdrücklich willkommen. Und nun viel Spaß!

Nachsatz: Filmtitel und Schreibweise

Falls ich herausfinden kann, unter welchem Titel ein Film in Deutschland gezeigt wurde, verwende ich diesen Titel. Ansonsten kommen Sie in den Genuß einer mehr oder weniger wörtlichen Übersetzung. Ob meine Titelsuche erfolgreich war, steht in der ersten Zeile der Filmdaten.

In der Regel verwende ich für kyrillische Zeichen die sogenannte wissenschaftliche Transliteration, weil sie erstens am genauesten ist (für jeden kyrillischen Buchstaben gibt es genau ein lateinisches Zeichen) und Ihnen zweitens die sogenannte Duden-Umschrift sowieso nicht weiterhilft, weil sie in der Praxis derart wild mit der englischen und der DDR-Umschrift vermischt wird, daß Sie zwar jeden Namen in mindestens drei Versionen, aber nur äußerst selten fehlerlos in Duden-Umschrift finden. In diesem Umschreibungschaos ohne Sinn und Verstand soll sich schon manch einer totgesucht haben. Die einzige Abweichung von dieser Regel werden vorhandene deutsche Filmtitel sind.

 
 

7 Kommentare

  1. uebersetzer
    02.11.2007, 21.23 Uhr

    Über den einen oder anderen Kommentar würde ich mich schon freuen. Weil ich nicht weiß, ob diese Artikel überhaupt auf Interesse stoßen, halte ich sie sehr kurz. Vielleicht zu kurz? Oder immer noch zu lang?


    (Kommentar-Link)
  2. Stummfilm-Blog
    14.11.2007, 00.18 Uhr

    Da der Trackback-Mechanismus anscheinend nicht geht, jetzt ein manueller Ping zu Russische Stummfilme im Über-Setzer-Logbuch


    (Kommentar-Link)
  3. Flominator
    17.11.2007, 15.04 Uhr

    Wenn der Trackback von Serendipity zu Wordpress nicht will: http://www.robertlender.info/b.....enden.html


    (Kommentar-Link)
  4. Knut
    18.11.2007, 19.32 Uhr

    Danke für den Tipp.
    Bei mir war es Wordpress zu Wordpress, das trackback anzuhängen habe ich auch schon versucht gehabt.


    (Kommentar-Link)
  5. uebersetzer
    18.11.2007, 20.12 Uhr

    Die Trackbacks gehören zu den vielen Dingen, die nach der letzten Wordpress-Aktualisierung nicht mehr einwandfrei funktioniert haben (der letzten Aktualisierung, denn von dem ewigen WP-Ärger habe ich endgültig die Nase voll). Dieses spezielle Problem wollte ich als ein weniger wichtiges ignorieren; nach den Beschwerden werde ich mich aber wohl doch darum kümmern müssen. (Knoten ins Ohr gemacht)


    (Kommentar-Link)
  6. uebersetzer
    30.11.2007, 11.12 Uhr

    Jetzt sollten die Trackback-Links eigentlich funktionieren. Danke für’s Mitdenken.


    (Kommentar-Link)
  7. Liudmila Davydova
    22.06.2010, 08.07 Uhr

    Габриеле, с любопытством просмотрела Вашу рубрику «Русское кино».
    В предисловии было правильно замечено, что русскую публику характеризует более глубокое личностное отношение к кинематографу и литературе, нежели западную. Потому что само искусство было таким, оно давало много поводов к сопереживанию. Люди, снимавшие кино, не отделяли свои личные ценности и убеждения от того, что хотели видеть на экране. Вершиной такого подхода к созданию творческого произведения в кинематографе для меня лично является Андрей Тарковский, хотя можно назвать и многих других имён, например, Василий Шукшин, Станислав Говорухин, Эльдар Рязанов и т.д. Именно на их фильмах чаще всего останавливается взгляд, несмотря на то, что до этого они уже были просмотрены не один десяток раз. Чего стоят хотя бы «Место встречи изменить нельзя», «Ворошиловский стрелок», «Гараж»!
    Рассуждать на эту тему можно довольно долго, хочется лишь поддержать Ваш интерес к русскому кинематографу и пожелать плодотворной работы над рубрикой и в дальнейшем!


    (Kommentar-Link)
 
 

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