10. 10. 2007

Stenka Razin (1908)

Понизовая вольница (Стенька Разин)

Filmplakat zu »Stenka Razin«

Filmplakat (Bildquelle)

  • Deutscher Titel: [keine Ahnung]
  • Produktionsfirma: Atelier A. Drankov/Ателье А. Дранкова
  • Produktionsjahr:
  • Länge: 7–8 Minuten
  • Regie: Vladimir Romaškov/Владимир Ромашков
  • Drehbuch: Vasilij Gončarov/Василий Гончаров
  • Kamera: Aleksandr Drankov/Александр Дранков, Nikolaj Kozlovskij/Николай Козловский
  • Musik: Michail Ippolitov-Ivanov/Михаил Ипполитов-Иванов
  • Darsteller: Evgenij Petrov-Kraevskij/Евгений Петров-Краевский als Sten’ka Razin
  • Genres: ,

Stenka Razin/Понизовая вольница (Стенька Разин) zeigt die tragische Liebesgeschichte des Kosaken-Atamans Stepan Razin, der im 17. Jahrhundert einen Aufstand anführte. Razin ist eine der beliebtesten Figuren der russischen Volksdichtung; seine Geschichte wurde in mehreren Volksliedern und klassischen Werken vertont. Die Handlung ist einfach: Nach einem Überfall auf die Perser, bei dem sie eine persische Fürstin gefangen genommen haben, fliehen die Kosaken mit Schiffen auf der Wolga. Razin verliebt sich in die Fürstin, was bei den Kosaken die Befürchtung aufkommen läßt, er werde sich in Zukunft nicht mehr mit Leib und Seele seiner Aufgabe als Führer im Freiheitskampf widmen. Als es ihnen nicht gelingt, Razin die Verliebtheit auszureden, fassen sie einen heimtückischen Plan: Sie schreiben einen Brief, aus dem hervorgeht, daß die Fürstin Razin mit einem Prinzen betrügt. In der Wut der Eifersucht ergreift Razin die Fürstin und wirft sie in den Fluß.

Die sechs Szenen des Films greifen einzelne Momente dieser Geschichte auf. Wie es bei Filmen dieser Zeit meist der Fall ist, geht der Handlungsverlauf vor allem aus den Zwischentiteln hervor. Davon gibt es in diesem Film zehn, die teilweise so lang sind, daß sie auf zwei Bilder verteilt werden mußten. Den Schauspielern ist deutlich anzusehen, daß ihnen dieses Medium neu ist. Sie ergehen sich in extremer Mimik und Gestik (da sie daran gewöhnt sind, auch den Olymp erreichen zu müssen) und scheuen sich offensichtlich davor, den ihnen zugewiesenen Platz zu verlassen und so möglicherweise aus dem Sichtfeld der statischen Kamera zu treten.

Nichts davon störte die Zuschauer. Der Film wurde vom Publikum und von der Presse begeistert aufgenommen. Vor allem ist das darauf zurückzuführen, daß dies »ihr« Film war. Sie kannten die Geschichte; Ippolitov-Ivanovs Musik beruhte auf einem ihnen bekannten Volkslied (Вниз по матушке по Волге/Mütterchen Wolga hinab); die Motive gehören zu den Hauptmotiven der russischen Kunst und Philosophie. Mit Stenka Razin schlug Drankov einen Weg ein, der für die weitere Entwicklung des russischen Films kaum überzubewerten ist: die Verankerung in der Folklore und die Volksnähe.

Stenka Razin ist in vielerlei Hinsicht »der erste«: der erste (erhaltene) Spielfilm, der erste Film, für den ein Drehbuch geschrieben wurde, der erste, für den eine eigene Musik komponiert wurde, der erste, an dem professionelle Schauspieler mitwirkten, und der erste mit einem Spezialeffekt: anstelle der Schauspielerin wurde in der letzten Szene eine Puppe ins Wasser geworfen.

 
 
 
 

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