10. 03. 2008
Ich glaube nicht, daß der Regisseur in den Dreißigern (oder danach) irgendwo so große Macht hatte wie in der Sowjetunion. Nur künstlerische Freiheit hatte er nicht.
Obwohl Lenin/Ленин bereits 1924 gestorben war, standen die Zwanziger ganz unter seinem Einfluß. Lenin brachte der Kunst zwar ein gewisses Mißtrauen entgegen, aber, wie er selbst eingestand, weil er sie nicht verstand. Die vielfältige, experimentierlustige Avantgarde bereitete ihm daher zwar Unbehagen und er förderte eine Richtung mehr als die andere, es wäre ihm jedoch nicht in den Sinn gekommen, irgendeine künstlerische Ausdrucksweise rundweg zu verbieten. Stalin/Сталин war aus ganz anderem Holz geschnitzt. Nachdem er gegen Lenins Willen dessen Nachfolge angetreten und seine Position gefestigt hatte, ging er daran, den Sozialismus von einem Weg zu einem besseren Leben in ein Instrument zu verwandeln, das ihm bzw. der Partei absolute Kontrolle über alle und alles geben sollte. In der Kunst bediente er sich dabei des sozialistischen Realismus/Социалистический реализм, eines aus künstlerischen, pädagogischen und politischen Elementen zusammengesetzten Konstrukts, das auch die Künstler nicht immer durchschauten (so mancher verstieß dagegen, ohne es zu wollen oder zu merken). Da der sozialistische Realismus die sowjetische Kunst für mehrere Jahrzehnte entscheidend geprägt hat, sollte man zumindest einige Grundprinzipien kennen.
Wichtig ist zunächst einmal der pädagogische Aspekt: Da jedes Kunstwerk das Publikum beeinflussen kann, mußte jedes Kunstwerk das Publikum beeinflussen, und zwar in der gewünschten Weise. Der Künstler wurde zum Erzieher. Die Idee, daß ein Werk nur etwas wert ist, wenn es eine Botschaft transportiert, war keineswegs neu; sie wurde bereits von den Realisten des 19. Jahrhunderts propagiert. Von diesen übernahmen die Erfinder des Sozrealismus auch den Namen, wenn das Wort »Realismus« bei ihnen auch eine grundsätzlich andere Bedeutung erhielt: Geschichte und Gegenwart sollten nicht in ihrem evolutionären, sondern in ihrem revolutionären Verlauf dargestellt werden. Im Mittelpunkt stand also nicht die Realität, sondern deren Überwindung – die Ideologie. Daraus ergab sich zwangsläufig, daß es keine persönliche, unpolitische Kunst geben konnte. Jedes Kunstwerk war politisch und mußte im Sinne der Vertreter der Ideologie eindeutig parteilich sein. Damit diese Parteilichkeit von allen verstanden wurde, mußte es außerdem volksnah sein.
Aus diesen Grundprinzipien ergaben sich der inhaltliche Kanon und das Repertoire künstlerischer Verfahren. Zum Beispiel konnte es nur positive Helden geben. Romantik war in Ordnung, solange sie revolutionäre Romantik war. Utopien gingen klar, solange die Utopie in einer künftigen sowjetischen Gesellschaft bestand. Junge Leute waren nicht einfach junge Leute, sondern die künftigen Mütter und Väter einer neuen Generation guter Sowjetbürger. Dialektik war gut, solange ihr Ergebnis und ihre Wirkung eindeutig waren. Experimente, seien sie inhaltlich oder ästhetisch, waren inakzeptabel, da die Ideologie Experimente nicht nötig hatte. Alles, was einen Deutungsspielraum eröffnete, war ausgeschlossen. Ebenso alles, was die Individualität des Menschen forderte oder förderte. Und so weiter, und so weiter. Im Einzelfall konnte die Einhaltung des sozialistischen Realismus durch die Vielfalt der zu berücksichtigenden Aspekte eine schwierige Gratwanderung zwischen dem Genehmen und dem Verbotenen darstellen, besonders wenn es um Fragen der Ästhetik ging. (Mir brauchen Sie nicht zu sagen, daß die Verwendung einiger der hier genannten Begriffe im sozialistischen Realismus ihrer eigentlichen Bedeutung widerspricht.)
Hallo Gabi, ich bin gerade dabei die Inhalte aus dem w&m portal auf http://deu.i-iter.org zu übertragen, wo wir einen Blog-Feed haben. Das heisst, ich habe probeweise mal Deinen Blog dort mit eingefügt: http://deu.i-iter.org/content/.....er-logbuch
Deine Veröffentlichungen werden dann dort eimal pro Stunde eingelesen und auf der ersten Seite mit angezeigt. Wenn die Leute den gesamten Blog lesen und dann unten auf den Link zu Deinem Feed klicken, dann sehen sie die URL Deines Blogs, was eigentlich auch bei Dir zu zusätzlichen Lesern führen sollte. Sag mir bitte Bescheid, falls Du nicht mit in dem Feed drin sein willst. Im Moment habe ich einmal 5 Blogs eingetragen. Auf der Englischen Version funktioniert es super und ich hoffe auf der deutschen wirds genauso. Tja, sag kurz Bescheid bitte. Danke! Ciao, Sabine
Liebe Sabine,
das sieht doch schon ganz prima aus.
Nachdem mich letztes Jahr die Gesundheit im Stich gelassen hat, habe ich w&m wie alle anderen Projekte völlig links liegen lassen. Vielleicht schaffe ich ja jetzt den (Wieder-) Einstieg …
Hallo Gabi
das schöne an Drupal ist ja, dass Du durch Deinen Blog praktisch schon dazu beiträgst. In den nächsten Tagen schreiben wir and die pt-Liste mit ein paar Erklärungen dazu
Und: jeder soll halt wirklich nur das machen, was er kann. Es gibt dort auch ein Forum "dies und das" and das man per mail interessante Sachen schicken kann (vh-de@deu.i-iter.org). Man muss also nicht immer auf die Website gehen und sich einloggen und dort schreiben - nur: Du hast mich auf eine Idee gebracht … ev. sollten wir mehrere Adressen einrichten, an die man je nach Thema einen Beitrag schicken kann
das wäre doch am einfachsten für alle, die nicht gerne auf Websites direkt arbeiten. Muss gleich mal mit Bèrto darüber reden (er macht nämlich hier die technischen Sachen).
Ciao, Sabine
Bei Drupal bin ich nie über die Anfangsgründe hinausgekommen, weil es für alles, was ich als Einzelmenschlein machen kann oder will, viel zu groß angelegt ist. Die Möglichkeit, per E-Mail Beiträge ans Forum zu schicken, finde ich sehr gut – angesichts der vielen Leute, die das Web lieber nutzen, ohne es zu nutzen.
Sie haben eine eigene Erfahrung oder andere Meinung, eine Anregung oder Frage zu diesem Thema? Ich freue mich über alles, was uns voranbringt.
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Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.