28. 03. 2008
Noch ein letztes Fundstück aus der morgendlichen Querleserunde:
If you don't see your native language here, you can help Google create it by becoming a volunteer translator.
Muß man wirklich daran erinnern, daß Google ein milliardenschwerer Konzern ist? Google versucht hier das, was amazon (mit den kostenlosen Produktbesprechungen kräftig zahlender Kunden) und Konsorten schon seit längerer Zeit erfolgreich betreiben: Sie lassen sich von Freiwilligen wertvollen redaktionellen Inhalt schreiben, für den sie normalerweise teuer bezahlen müßten. Wie irgendjemand auf diese Masche hereinfallen kann, ist mir schleierhaft. Aber es gibt offenbar viele, die sich nur zu gerne für dumm verkaufen und für die Gewinnmaximierung einiger weniger ausnutzen lassen und sich dabei sogar noch einbilden, einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Einen wichtigen Beitrag leisten sie tatsächlich, aber nicht zu irgendeiner Gemeinschaft, sondern einzig und allein zum Gewinn der Unternehmen.
"...daß Google ein milliardenschwerer Konzern ist", dem es dabei sicher nicht darum geht, die paar Kröten für die Übersetzungen zu sparen. Facebook hat es ja vorgemacht, ist so innerhalb von 2 Wochen ins Deutsche und ins Französische übersetzt worden.
"sondern einzig und allein zum Gewinn der Unternehmen"
Das kann man so auch nicht sagen. Der größte Nutzen ist ja wohl erstmal die Qualität des Angebots, die dadurch entsteht. Abgesehen davon, ist vielen die Möglichkeit, selbst redaktionellen Inhalt erstellen und publizieren zu können, schon Bezahlung genug. Warum sollten die sich denn für blöd verkauft fühlen?
Diese Mechanismen an sich führen einfach zu den besten Ergebnissen und sind die für alle Beteiligten beste Lösung. Dass sie momentan noch in den Händen einiger weniger - natürlich brandgefährlicher - amerikanischer Privatunternehmen liegen, die sich daran goldene Nasen verdienen, ist ein ganz anderes Thema.
Ich verschlucke mich schon beim Wort »Qualität«, das ich erst einmal verdauen muß, bevor ich den Blick dem Rest des Gerichts zuwende.
Warum denn? Ist doch durchaus eine *Qualität des Angebots* von Facebook, dass mir da jetzt eine deutsche Oberfläche zur Verfügung steht.
Ich kenne die Übersetzung von Facebook nicht, kann also auch nicht mitreden. Ist die Übersetzung gut? Oder voller Deutschfehler, Nichtübersetzungen, Denglisch usw.? Denn das Vorhandenseiner einer Übersetzung an sich ist für mich noch lange nicht »Qualität«. Ich verwende zum Beispiel auch Wordpress in der englischen Version, weil ich die Übersetzung schlichtweg unzumutbar finde. Wer auf die alles andere als deutsche deutsche Version angewiesen ist, tut mir leid und wird sich sicher nicht über die »Qualität des Angebots« freuen.
Dass sie momentan noch in den Händen einiger weniger - natürlich brandgefährlicher - amerikanischer Privatunternehmen liegen, die sich daran goldene Nasen verdienen, ist ein ganz anderes Thema.
Für Dich ist das ein ganz anderes Thema. Für mich ist es genau das Thema, um das es geht. Ich finde es reichlich naiv, diesen Hintergrund zu ignorieren. Aber ich halte die Menschen sowieso für eine außerordentlich unintelligente Spezies, deren einzige echte Errungenschaft ihre Selbstzerstörung sein wird; Du brauchst auf meine Meinung also nicht viel zu geben.
"Ich kenne die Übersetzung von Facebook nicht, kann also auch nicht mitreden. Ist die Übersetzung gut?"
Reicht und wird langsam besser.
"Denn das Vorhandensein einer Übersetzung an sich ist für mich noch lange nicht »Qualität«."
Das wird z. B. ein Somalier (es geht ja um 117 Sprachen!), der die Dienste im Netz eben schon heute und nicht erst in 10 Jahren genauso gerne nutzen möchte, wie Du - da wirst Du nicht widersprechen wollen - ganz anders sehen.
"Ich verwende zum Beispiel auch Wordpress in der englischen Version, weil ich die Übersetzung schlichtweg unzumutbar finde. Wer auf die alles andere als deutsche deutsche Version angewiesen ist, tut mir leid und wird sich sicher nicht über die »Qualität des Angebots« freuen."
Ich installiere Wordpress-Systeme seit 3 Jahren; während die deutschen Versionen vor 3 Jahren noch voller (sprachlicher) Fehler waren, sind sie heute ganz okay. Die italienische Übersetzung ist weitaus schlechter. Zahlreiche Nutzer in Italien, für die ich Wordpress installiert habe, können kein Englisch. Die sind froh und brauchen Dein Mitleid wirklich nicht.
"Aber ich halte die Menschen sowieso für eine außerordentlich unintelligente Spezies, deren einzige echte Errungenschaft ihre Selbstzerstörung sein wird."
Na prost! Das werde ich jetzt mal meinem Sohn erzählen.
Übrigens, hier werden auch freiwillige Übersetzer gesucht:
One Laptop per Child
Tut mir leid, daß die Antwort wieder einmal lange auf sich warten ließ. Im Moment bin ich auf das Notebook angewiesen, auf dem ich mich aus Antipathie gegen dieses Gerät (zu klein, zu unhandlich, zu unergonomisch) auf das allernötigste beschränke.
Was Deinen Kommentar angeht, kann ich dazu nicht viel sagen: Wir sitzen offenbar an entgegengesetzten Polen. Du meinst, daß sich jeder Somalier über jedes Angebot in seiner Sprache freut; ich hingegen glaube, daß es in Somalia genau wie hier sicher Menschen gibt, denen Qualität wichtiger ist als Quantität.
Die Diskussion, die wir hier führen, hat, glaube ich, nur sehr oberflächlich etwas mit der Sprache zu tun. Die einen finden die Proletisierung der Welt ganz toll, freuen sich darüber, daß alles auf das niedrigste mögliche Niveaus gedrückt wird, sind begeistert über die Abschaffung der Zivilsation und kaufen alles, was angeboten wird, nur weil es eben angeboten wird; die anderen … nicht.
Ach ja, und was »One Laptop per Child« angeht: Davon hatte ich schon gehört und finde es typisch für diese Zeit, daß man das Schulsystem zerstört, die Kinder vor dem Fernseher parkt, Ihnen weder Zivilisation noch Kultur beibringt, alles tut, um ihren (physischen und sozialen) Lebensraum zu zerstören, aber jedem einen eigenen Laptop spendieren will. Mir wird übel …
Im übrigen arbeite ich natürlich auch kostenlos, aber nur für Einrichtungen, deren Zwecke ich für wichtig und richtig halte. Völlig überflüssiger technischer Schnickschnack gehört dazu ebensowenig wie die Pervertierung von Kindern. Allerdings erwarte ich kein Verstehen. Daß zum Beispiel die Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung nur 34.451 Beschwerdeführer gefunden hat, zeigt überdeutlich, daß Intelligenz in diesem Land Mangelware ist. Nur bei 34.451 von rund 82,5 Millionen Menschen glimmt ein Fünkchen Intelligenz und Ehrlichkeit.
Hey, andererseits profitieren wir ja auch alle kräftig von Google. Sei es durch die eigene Bekanntmachung oder auch einfach nur durch die Suchergebnisse, die oft weiterhelfen. Gut, dass man dafür (noch) nicht bezahlen muss. Ich glaube weniger, dass es denen um Gewinnmaximierung geht, als vielmehr darum, eine Gemeinschaft à la Open-Source etc. zu schaffen.
Viele Grüße
C.
Sie haben eine eigene Erfahrung oder andere Meinung, eine Anregung oder Frage zu diesem Thema? Ich freue mich über alles, was uns voranbringt.
Gossensprache und -verhalten (Fäkaliensprache, Werbung, persönliche Angriffe usw.) behalten Sie im Interesse der Leser bitte für sich.
Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.