13. 06. 2008
Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert oder zumindest gewundert, daß mehrsprachige Websites anstelle von Sprachen Flaggen zur Auswahl anbieten? Dann geht’s Ihnen wie mir.
Flaggen symbolisieren nicht Sprachen, sondern Länder. Warum sollte ein deutschsprachiger Luxemburger also die Deutschlandflagge auswählen, wenn er einen Artikel in seiner Muttersprache lesen möchte? Ein Schotte die Flagge der USA? Ein Argentinier die Spaniens? Bestenfalls ist das unlogisch, schlimmstenfalls eine Beleidigung. Häufig wird argumentiert, Flaggen fielen eher ins Auge und seien leichter zuzuordnen. Ins Auge fallen sie wohl (häufig unangenehm), aber die Zuordnung ist sicher nur für diejenigen gegeben, die in dem von der Flagge repräsentierten Land wohnen.
Angenommen, Sie sind als Deutscher auf einer österreichischen Website unterwegs, auf der die Sprache Deutsch mit der österreichischen Flagge dargestellt wird. Ich wage zu bezweifeln, daß Sie als Durchschnittsdeutscher sofort eine Parallele zwischen dieser Flagge (sofern Sie sie überhaupt erkennen) und der deutschen Sprache ziehen. Umgekehrt können Sie jedoch nicht erwarten, daß ein Österreicher für seine Muttersprache die Flagge eines fremden Landes verwendet.
Hinzu kommen die üblichen technischen Aspekte: Die Darstellung hängt vom Ausgabemedium ab, farbenblinde Menschen können die Flaggen nicht eindeutig zuordnen, Textbrowser sehen sie überhaupt nicht und so weiter.
Angeregt wurde der Artikel durch Jarkko Hietaniemis »Flag as a symbol of language – stupidity or insult«.
Sie haben eine eigene Erfahrung oder andere Meinung, eine Anregung oder Frage zu diesem Thema? Ich freue mich über alles, was uns voranbringt.
Gossensprache und -verhalten (Fäkaliensprache, Werbung, persönliche Angriffe usw.) behalten Sie im Interesse der Leser bitte für sich.
Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.