29. 06. 2008

Wer öffentlich schreibt, hat eine Vorbildfunktion

Ich möchte doch einmal etwas klarstellen.

Wie Sie in Ihrem privaten Kreis sprechen und schreiben, ist mir piepeschnurzegal. Das ist allein Ihre Sache und geht niemanden etwas an. In meinem privaten Umfeld kritisiere ich auch niemanden für seinen Sprech- oder Schreibstil und korrigiere (normalerweise) niemanden.

Das öffentliche Schreiben und Sprechen ist etwas ganz anderes. Wer öffentlich schreibt oder spricht, muß damit rechnen, daß er anderen als Vorbild dient. Das heißt, er trägt Verantwortung. Und aus dieser Verantwortung entlasse ich niemanden, gleichgültig, ob die Öffentlichkeit auf einer Firmen-Website, in einem Fernsehauftritt, einem Zeitungsinterview, einer Werbeanzeige, einem wissenschaftlichen Aufsatz, einem Weblog-Artikel oder einem Forumsbeitrag hergestellt wird. Das Medium und die Textsorte spielen dabei keinerlei Rolle. Was zählt, ist die Öffentlichkeit.

Denken Sie an bekannte Beispiele wie »unkaputtbar« oder »hier werden Sie geholfen«. Marketingleute mögen das für kreativ halten, ein sprachlich versiertes Publikum mag darüber lachen, aber viele Menschen erkennen den vermeintlichen Witz nicht und halten das für richtiges Deutsch. Genau wie die vor Grammatik- und sonstigen Sprachfehlern nur so strotzende Sprache der Manager und Politiker. Denn wenn es nicht richtig wäre, würde es doch nicht veröffentlicht werden, oder?

In meinem privaten Umfeld habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich neige dazu, in meiner Sprache das moderne Proletendeutsch zu karikieren, mußte aber feststellen, daß bei weitem nicht jeder die Ironie erkennt. Viele Menschen sind sprachlich so unsicher, daß sie für bare Münze nehmen, was jemand sagt, dem sie mehr Kompetenz zutrauen als sich selbst. Oft reicht es schon, einen Grammatikfehler nur ein einziges Mal zu machen; er wird sofort nachgeahmt. So einen Schnitzer wieder auszubügeln, ist gar nicht so einfach und erfordert häufig lange Erklärungen und Entschuldigungen.

Um wieviel größer ist die Wirkung sprachlicher Fehler in den Medien! Ob ein Sprecher oder Schreiber nun bewußt oder aus Unfähigkeit gegen Regeln und Konventionen verstößt, er richtet auf jeden Fall enormen Schaden an. Aus diesem Grund ist die Sprachschlamperei von Wirtschaftsfunktionären und Politikern, Marketingleuten und Journalisten nicht nur ein Zeichen mangelnder kultureller Kompetenz, sondern auch mangelnder sozialer Kompetenz. Sie ist Ausdruck der Verantwortungslosigkeit. Und die werde ich immer anprangern.

 
 

2 Kommentare

  1. Flominator
    12.07.2008, 07.21 Uhr

    ... und wenn die falschen Dinge dann oft genug veröffentlicht wurden, kommt der Duden und übernimmt sie einfach. Schöne Beispiele sind Atlasse und Kaktusse.


    (Kommentar-Link)
  2. uebersetzer
    12.07.2008, 15.04 Uhr

    Und das ist eines der besten Argumente gegen den Duden.


    (Kommentar-Link)

1 Erwähnung in anderer Leute Werken

 
 

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