29. 06. 2009

Ballade vom Soldaten (1959)

Баллада о солдате

Filmplakat zu »Ballade vom Soldaten«

Filmplakat (Bildquelle)

  • Deutscher Titel: Ballade vom Soldaten
  • Produktionsfirma: Mosfil'm/Мосфильм
  • Produktionsjahr:
  • Länge: 89 Minuten
  • Regie: Grigorij Čuchraj/Григорий Чухрай
  • Drehbuch: Valentin Ežov/Валентин Ежов, Grigorij Čuchraj/Григорий Чухрай
  • Kamera: Vladimir Nikolaev/Владимир Николаев
  • Musik: Michail Ziv/Михаил Зив
  • Darsteller: Vladimir Ivašov/Владимир Ивашов (Alëša), Žanna Prochorenko/Жанна Прохоренко (Šura), Antonina Maksimova/Антонина Максимова (Alëšas Mutter), Nikolaj Krjučkov/Николай Крючков (General), Gennadij Juchtin/Геннадий Юхтин (Pavlov), Evgenij Urbanskij/Евгений Урбанский (Vasja), Ėl'za Leždej/Эльза Леждей (Vasjas Frau), Marina Kremneva/Марина Кремнева (Pavlovs Frau), Valentina Telegina/Валентина Телегина (die alte Fahrerin), Vladimir Pokrovskij/Владимир Покровский (Pavlovs Vater)
  • Genres:

Das Drehbuch zu diesem Film schrieben zwei Männer, die als Jugendliche an die Front geschickt worden waren und erst danach die Filmhochschule absolviert hatten. Čuchraj sagte über dieses Projekt: »Auf allen Wegen des Krieges sind Menschen zurückgeblieben, die mir teuer waren. Natürlich ist in mir in all den Jahren der unbezwingbare Wunsch gereift, von diesen Menschen zu erzählen, von ihrem kurzen, aber ruhmreichen Leben.« Doch wer nicht von glorreichen militärischen Führern, die allein den Krieg gewonnen hatten, erzählen wollte, wer die einfachen Menschen nicht nur als gesichts-, seelen- und bedeutungslose Masse darstellen wollte, mußte lange warten. Erst 1959 konnte Čuchraj seinen Wunsch verwirklichen. Sein Film sagt in jedem Bild, daß es Leute wie dieser Alëša und all diejenigen, denen er unterwegs begegnet, waren, die durch ihre Opfer den Krieg gewannen.

die Mutter am Weg (Bildquelle: meines)

Das erste Wort, noch vor dem Filmtitel, hat der Erzähler: »Sie wartet auf niemanden. Der, auf den sie gewartet hat, ihr Sohn Alëša, ist nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Er ist weit von der Heimat beerdigt, unweit eines Dorfs mit einem nichtrussischen Namen. Wenn der Frühling kommt, legen ihm fremde Menschen Blumen aufs Grab. Sie nennen ihn einen russischen Soldaten, einen Helden und Befreier. Für sie jedoch war er einfach ihr Sohn, ein Junge, über den sie alles wußte … von seiner Geburt bis zu dem Tag, an dem er auf dieser Straße an die Front ging. Er war unser Freund und wir erzählen vom ihm, was nicht jeder weiß, nicht einmal sie, seine Mutter.« Danach folgen der Filmtitel und wieder das Bild der Mutter, die – hier noch wesentlich jünger, unter düsteren Wolken vor dem im Krieg verwaisten Dorf – wartend in die Ferne sieht. Ihr Bild geht langsam in das von am Horizont auftauchenden Panzern über.

Mensch und Panzer. Die Welt steht Kopf. (Bildquelle: meines)

Ihr Sohn, ein neunzehnjähriger Junge, der noch nicht in seinen Stahlhelm hineingewachsen ist, liegt auf einem Beobachtungsposten und sieht diesen Panzern allein entgegen. Junge gegen Panzer, die Welt steht auf dem Kopf … diese Bilder sprechen Bände. Als Alëša zu seinem eigenen Erstaunen überlebt und noch dazu zwei Panzer abschießt, möchte ihm sein General einen Orden verleihen, doch er bittet stattdessen um sechs Tage Urlaub, um zu seiner Mutter, von der er sich nicht verabschieden konnte, zu fahren und ihr undichtes Dach zu reparieren. Und so beginnt seine Reise nach Hause.

Alëša (Bildquelle: meines)

Ich beschreibe Ihnen die ersten Filmminuten so ausführlich, um zu zeigen, daß der Titel Ballade vom Soldaten nicht der bei Kriegsfilmen übliche Etikettenschwindel ist. Der Film ist tatsächlich eine Ballade. Er erzählt eine Geschichte, aber nicht episch, sondern in einzelnen metaphorischen Bildern, die eine ganze Bedeutungswelt in sich schließen.

Pavlov: »Vor allem sag’ ihr, daß ich noch lebe.« (Bildquelle: meines)

Unterwegs – der Weg ist entweder bildlich oder als Zuggeräusch immer präsent – trifft Alëša zunächst auf seinen Landsmann Pavlov, der ihn bittet, seiner Frau einen Brief und zwei Stück Seife zu bringen, die seine Kameraden dem Feldwebel als Geschenk für die Ehefrau abbetteln. Wie könnte er einem Kameraden diese Bitte abschlagen, wenn er es auch eilig hat? Als nächstes kauft er auf einem Umsteigebahnhof ein Tuch für die Mutter. Dabei begegnet er Vasja, der ein Bein verloren hat und nach Hause darf. Für Alëša ist es selbstverständlich, daß er dem Invaliden hilft und ihn begleitet, besonders als er begreift, daß dieser die Begegnung mit seiner Frau fürchtet. Ganz unnötig, denn sie ist nur froh, daß Vasja noch lebt und wieder zu Hause ist.

Vasja sieht die Zukunft durch seine Krücken wie durch Gitterstäbe. (Bildquelle: meines)

Weiter geht’s im mit Stroh beladenen Transportzug. Unterwegs springt ein Mädchen – Šura – auf, das bei Alëšas Anblick vor Schreck fast aus dem Zug fällt. Auf der langen Fahrt verlieben sich die beiden dann aber sichtbar ineinander, allerdings ohne etwas zu sagen. Als er an einem Bahnhof Wasser für Šura besorgen möchte, verpaßt Alëša den Zug und verbringt einen halben Tag damit, den Lastwagen einer alten Fahrerin aus allen möglichen Schlammlöchern zu schieben.

Alëša und Šura (Bildquelle: meines)

Trotz alledem hat Alëša das Versprechen, das er Pavlov gegeben hat, nicht vergessen. Von dessen Haus sind jedoch nur Trümmer geblieben und als Alëša Pavlovs Frau endlich findet, lebt sie mit einem anderen Mann in einer luxuriösen Wohnung. Alëša nimmt die Seife wieder mit und bringt sie stattdessen Pavlovs Vater, der mit vielen anderen Ausgebombten in einer Notunterkunft wohnt und sich im Gegensatz zu seiner Schwiegertochter über die Nachricht, daß sein Sohn noch lebt, und das Geschenk freut.

Auch die Lastwagenfahrerin hat einen Sohn an der Front. (Bildquelle: meines)

Auf dem letzten Wegstück wird zu schlechterletzt auch noch der Zug von Bomben in Brand gesteckt. Nachdem er Kinder und Alte gerettet hat, läuft Alëša zu Fuß weiter, denn die Uhr tickt und er hat den Großteil seines Urlaubs für andere verbraucht. Als er endlich bei seiner Mutter ankommt, reicht die Zeit nur für eine Umarmung und ein Lebewohl, dann muß Alëša wieder an die Front.

Pavlovs Vater (Bildquelle: meines)

»Und das war alles, was wir von unserem Freund Alëša Skvorcov erzählen wollten. Er hätte ein bemerkenswerter Bürger werden können, er hätte Gebäude bauen oder das Land mit Gärten verschönern können. Doch er war und wird in unserer Erinnerung immer ein Soldat bleiben. Ein russischer Soldat.«

Und zurück bleiben die Frauen. (Bildquelle: meines)

 
 
 
 

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