28. 02. 2007
Wie würden Sie Microsoft-Produkte definieren? Meine Definition ist einfach: Sie sind der Versuch eines einzelnen Mannes, die gesamte Computerwelt unter seinen Daumen zu zwingen. Denn es reicht Bill Gates nicht, der reichste Mann der Welt zu sein. Er will mehr. Er will alles.
Wir alle wissen, daß Microsoft-Produkte mit jeder Generation noch schlechter werden. Sie fressen Speicher noch und nöcher, sie sind mit immer weniger anderen Programmen kompatibel, sie haben mehr Löcher als Schweizer Käse, sie brauchen jede Woche ein Update, damit wenigstens ein paar der klaffenden Sicherheitslücken geschlossen werden, sie werden scheinbar immer einfacher, tatsächlich aber immer undurchschaubarer und zwielichtiger, sie schicken Daten, wohin immer Bill Gates sie geschickt sehen möchte, sie sind ein Konglomerat aus Spyware und Malware im Schafspelz.
Leider ist Bill Gates’ Versuch, die (Computer-) Weltherrschaft zu erringen, allzu erfolgreich. Leider gibt es noch immer allzu wenig Widerstand gegen diese Entmündigung der Computerbenutzer. Ich gebe zu, daß auch ich Windows XP und Office 2003 verwende, nicht weil ich es möchte, sondern weil meine Kunden es möchten. Schon zwei Wochen nach der Freigabe von Office 2003 bekam ich die erste Datenbankdatei, die mit Access 2000 noch nicht einmal mehr geöffnet werden konnte. Microsoft verläßt sich bei seinem Allmachtsstreben darauf, daß Computerbenutzer immer die neueste Technik haben wollen und keinen einzigen Gedanken an die Überlegung verschwenden, ob neu auch besser ist.
Doch Windows Vista und Office 2007 gehen in jeder Hinsicht zu weit. Sie sind nur noch eines: eine Zumutung.
Office 2007 ist derart miserabel in der Handhabung, daß man dazu ohnehin nichts mehr zu sagen braucht. Es mag sich für Leute eignen, die nur gelegentlich einmal einen Brief schreiben, aber wer den ganzen Tag intensiv mit Textverarbeitungsprogrammen arbeiten muß, ist mit dieser Office-Version schlecht bedient. Auch die angebliche Konformität mit Standards ist nichts als eine Mogelpackung. Wie üblich hat Microsoft in die Standardformate soviel Proprietäres reingemischt, daß von Kompatibilität nicht die Rede sein kann.
Microsofts Behauptung, der Datenschutz sei dem Unternehmen ein großes Anliegen, ist der reinste Hohn. Office bleibt nicht nur in ständigem Kontakt mit Microsoft, sondern auch mit WebTrends. Auch dem Spionageprogramm Alexa entkommen Sie mit dieser Office-Version nicht mehr. Von informationeller Selbstbestimmung, wie sie zum Beispiel das deutsche Bundesdatenschutzgesetz vorschreibt, hält Microsoft nichts: Sie werden nicht gefragt, ob Sie mit der Weitergabe Ihrer Daten einverstanden sind. »Daten« heißt: genaue Informationen über das verwendete Betriebssystem und die Office-Version sowie die exakte WAN-IP-Adresse. Das ist die Adresse, über die jeder Rechner zu seinem Besitzer zurückverfolgt werden kann. Die Behauptung, es würden keine personenbezogenen Daten übermittelt, ist also schlichtweg eine Lüge. Natürlich gibt es eine Möglichkeit, sich dieser Spionage zu entziehen: Kappen Sie Ihre Internetverbindung. Nur dann sind Ihre Daten vor Microsoft und Konsorten sicher.
Windows Vista ist Microsoft zufolge schneller als alle früheren Windows-Versionen. Aber schnell ist es nur, wenn es mehrere Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung hat. Und auch dann ist die Benutzeroberfläche von Vista langsamer und schwerfälliger zu bedienen als die von XP. Vergleichstests zufolge müssen zum Beispiel die Schaltflächen wesentlich genauer und fester angeklickt werden als bei XP und die Reaktionszeit entspricht der der Vor-Vorläuferversion Windows 98. Obwohl die neue Benutzeroberfläche Aero also enorm viel Speicher braucht, fällt sie in puncto Leistung weit hinter XP zurück.
Nicht nur der Arbeitsspeicher muß für Vista auf mindestens 3 GB aufgerüstet werden (das Betriebssystem selbst braucht schon ein sattes GB), auch eine normale Grafikkarte genügt nicht mehr. Bisher kommen meine beiden am Arbeits-PC angeschlossenen Bildschirme wunderbar mit einer Grafikkarte mit 64 MB hin. Das reicht bei Vista noch nicht einmal mehr für einen Bildschirm; damit zwei ordentlich laufen, müssen 512 MB her. Eine Grafikkarte mit 512 MB? Bin ich denn mit dem Klammersack gepudert?
Weiter geht’s mit den Innereien. Um das bei XP eingeführte lästige Hin und Her zwischen Administrator- und Benutzerkonten wieder abzuschaffen, hat sich Microsoft die Benutzerkontosteuerung (User Account Control, UAC) einfallen lassen. Wenn Sie schon immer einmal von einem PC in den Wahnsinn getrieben werden wollten, ist die UAC genau das, was Sie brauchen. Denn sie schlägt jedesmal Alarm, wenn auch nur die kleinste Änderung am System vorgenommen wird. Also im Durchschnitt bei jedem dritten Mausklick. Alarm hat auch Symantec schon gegeben, denn statt rundum für Sicherheit zu sorgen, kann die UAC mit einem einzigen kleinen Trojaner von außen beliebig manipuliert werden.
Und wie sieht’s mit dem Datenschutz aus? Da fragen Sie noch? Für das Nachhausetelefonieren gilt bei Vista natürlich dasselbe wie bei Office 2007. Bei Vista hat Microsoft außerdem die schon von XP bekannte Echtheitsprüfung »Windows Genuine Advantage« mit der »Software Protection Platform« noch einen großen Schritt weitergetrieben. Jetzt muß Windows selbst bei kleinen Änderungen erneut aktiviert werden, damit Microsoft wirklich keine Systemänderung mehr entgeht, die Sie auf Ihrem PC vornehmen – auf Ihrem PC, der Microsoft nichts, aber wirklich gar nichts angeht. Zudem hat dieses System einen klitzekleinen Fehler, der viele Änderungen der Systemeinstellungen als unrechtmäßigen Eingriff interpretiert und den Computer in einen geschützten Modus versetzt, in dem nur noch der Webbrowser funktioniert. Und auch das nur eine Stunde lang. Wenn Windows nicht innerhalb einer Stunde erneut aktiviert wird, ist Schluß. Zwar hat Microsoft dafür einen Patch veröffentlicht, der jedoch gerade die Echtheitsprüfung voraussetzt, die den Fehler auslöst, für den der Patch dann benötigt wird. Wissen Sie, was ein Teufelskreis ist?
Von der Schrift bis zu Programmen, für Windows Vista hat Microsoft aus allen Quellen zusammengeklaut, was nicht niet- und nagelfest war. Und diese Diebesbeute bewacht es jetzt als »sein Eigentum« auf jede nur denkbare Art, vor allem mit den stringentesten Lizenzbedingungen, die die Branche jemals gesehen hat. Zum Beispiel kann Vista nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen auf einem virtuellen Rechner ausgeführt werden. Und noch ein kleines, feines Detail: Mit dem integrierten »Digital Rights Management« sichert sich Microsoft die Kontrolle darüber, welche Produkte unter Vista installiert werden können. Wer sich dem Microsoft-Diktat nicht fügt, kann vollständig blockiert werden. Wenn zum Beispiel ein Krankenhaus irgendeine nicht von Microsoft abgesegnete Hardware oder Software installiert, kann Microsoft über das Internet mit einem Schlag das gesamte System dieses Krankenhauses abschalten. Begreifen Sie jetzt, wie nahe Bill Gates seinem Allmachtstraum schon gekommen ist?
Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen. Eines ist jedenfalls klar: Da ich kein unmündiger Bürger bin, kommen mir Windows Vista und Office 2007 nicht ins Haus. Der gläserne Bürger ist durchaus keine unrealistische Zukunftsvision. Wer Microsoft und Google nutzt, ist schon heute glasklar sichtbar. Er hat seine Rechte für ein bißchen erbärmlicher Modernität verscherbelt.
Sie haben eine eigene Erfahrung oder andere Meinung, eine Anregung oder Frage zu diesem Thema? Ich freue mich über alles, was uns voranbringt.
Gossensprache und -verhalten (Fäkaliensprache, Werbung, persönliche Angriffe usw.) behalten Sie im Interesse der Leser bitte für sich.
Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.