01. 03. 2007
Halten Sie die Sprachwissenschaft für eine langweilige Disziplin? Öde Grammatik, nichts als Regeln, alles reichlich tot? Das kommt doch sehr darauf an, was Ihre Sprache für Sie ist. Für mich ist sie ein lebender Organismus, in dem Millionen einzelner Bestandteile (Blutbahnen, Nervenbahnen, Zellen, Gewebe usw.) auf wunderbare Weise ein harmonisches Ganzes ergeben. Ein Organismus, der so komplex ist wie das menschliche Gehirn und die gesamte Kulturgeschichte eines Volkes widerspiegelt. Entsprechend ist die Grammatik für mich auch kein Korpus starrer Regeln ohne Wirklichkeitsbezug, sondern genau das Gegenteil: Sie ist der Versuch, die Funktionsweise dieses Organismus zu beschreiben, das Zusammenwirken seiner Bestandteile, die zahlreichen Wechselwirkungen zwischen einzelnen Organen und Prozessen, dieses ganze überaus komplexe Flechtwerk mit seinen Millionen Knotenpunkten.
Wenn ich laufend gegen Grammatikfehler von der falschen Wortbildung bis zur falschen Kommasetzung protestiere, dann doch nicht, weil jemand Die Regeln verletzt. Sondern weil dieser jemand mit dem Hackbeil in einen lebenden Organismus schneidet und ihn damit verletzt.
Was passiert, wenn in unseren Schulen Grammatik nicht als "lebender Organismus" dargestellt oder gar vernachlässigt wird, sehen wir jetzt an einer Mehrheit von Studenten:
" … Eine Studie sieht die Grammatikkenntnisse von Studenten auf dem Niveau von Sechstklässlern. Doch wie viel Wissen über Adverbien und Pronomen brauchen die Kinder eigentlich? …"
Reinhard Kahl
http://www.archiv-der-zukunft.de/blog/?p=200
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Das Über-Setzer-Logbuch ist auf meinem Mist gewachsen. Züchten Sie bitte Ihre eigenen Ideen und lassen Sie die Finger von meinen. Danke.